| Exkursion des Fördervereins
Saalburg
Dieses Jahr sollte uns die Exkursion des Fördervereins in das wenig bekannte römische und mittelalterliche Frankfurt am Main führen, und so fanden sich bei zunächst regnerischem Herbstwetter 40 interessierte Mitglieder und Gäste beim Archäologischen Garten ein. Dieser war Treffpunkt und zugleich erstes Ziel unseres historischen Spazierganges. Dankenswerterweise konnte für die Führung beim Archäologischen Garten der stellvertretende Direktor des Archäologischen Museums, Herr Dr. Peter Fasold gewonnen werden, der mit großer Sachkenntnis den Exkursionsteilnehmern einen kurzen Überblick über die Geschichte des Domhügels gab. So erfuhren wir, dass Frankfurt auch einen „römischen“ Kern besitzt, nämlich den Bereich um den Domhügel. Archäologischen Funden zufolge wurde auf dem heute vom Römer und Dom begrenzten Areal von den Römern im 1. Jahrhundert n.Chr. eine Art militärische Nachschubbasis eingerichtet. Diese verlor jedoch ihre Funktion, als später die römischen Garnisonen an den Limes verlegt wurden. Aber auch die Besiedlung des Domhügels durch die Franken und die karolingisch-ottonische Pfalzanlage und deren heutige sichtbaren Überreste wurden von Herr Dr. Fasold kenntnisreich erklärt. Im Anschluß daran wurden zwei Gruppen aufgeteilt, die jeweils nacheinander – vor und nach der Mittagspause - sowohl das Archäologische Museum als auch den Kaiserdom besichtigten. Die Führung im Archäologischen Museum am Nachmittag erfolgte durch Herrn Carsten Wenzel, M.A., einem Mitarbeiter des Archäologischen Museums, dem an dieser Stelle noch einmal für seine kenntnisreiche und lebendige Darstellung gedankt werden soll. Im Archäologischen Museum erfuhren wir Wissenswertes zur Baugeschichte des Museums und anschließend zu den neuesten archäologischen Forschungen am Domhügel. Den Abschluß bildete der Besuch der Ausstellung „Darstellung einer römischen Stadt von der Eroberung bis zum Untergang“, in der die Originalfunde aus der bis 260 n.Chr. bestandenen römischen Stadt Nida im Norden des heutigen Frankfurts zu sehen waren. Eindrucksvoll waren insbesondere eine Sammlung von Jupiter-säulen und die archäologischen Funde zum Mithraskult, die Elemente der platonischen Seelenlehre erkennen lassen. Nach so vielen Eindrücken und neu erworbenem Wissen stärkten wir uns erst einmal in der „Weinstube im Römer“ mit Frankfurter Spezialitäten. Daß die „Original Frankfurter Grüne Soße mit gekochtem Tafelspitz“ ganz klar als Sieger bei den kulinarischen Genüssen hervorging, hat Frankfurt alle Ehre gemacht. Die Besichtigung des Kaiserdoms – St. Bartholomäus, die ehemalige Reichstiftskirche, brachte uns viele unentdeckte Winkel der Kirche näher, die ihre Geheimnisse erst beim genauen Hinschauen offenbarten. So lernten wir die Geschichte des merowingischen Mädchengrabes genauso kennen wie die des Bartholomäus-Frieses (1410) im Hoch-Chor des Doms. Auch die Details des Maria-Schlafaltars, das Werk eines unbekannten Meisters aus dem 15. Jahrhundert, faszinierten uns, je länger wir ihn betrachteten. So konnten wir die Kirche, die von 1562-1792 Krönungskirche der Römischen Kaiser war, mit vielen neuen Erkenntnissen verlassen. Im Anschluß fanden wir uns alle vor dem Römer wieder zusammen, wo uns im Rahmen einer weiteren Führung die Baugeschichte des Römers und seine Außenfassade mit seinen vielen Wappen erklärt wurde. Leider mußte die geplante Führung im Kaisersaal wegen des kurzfristigen Staatsbesuchs des nepalesischen Königspaars ausfallen, so daß alternativ die Paulskirche besichtigt wurde. In diesem Rundbau tagten 1848-1849 die Delegierten der Frankfurter Nationalversammlung, der ersten frei gewählten Volksvertretung Deutschlands. Neben der Baugeschichte der Paulskirche wurde uns in der Wandelhalle im Untergeschoß das dort zu sehende Wandbild „Zug der Volksvertreter auf dem Weg in die Paulskirche“ von Johannes Grützke, gefertigt in den Jahren 1987-91, vor dem Hintergrund der damaligen geschichtlichen Ereignisse erklärt. Den Abschluß bildete der Besuch des Plenarsaales im Obergeschoß, wo heute hohe staatliche Feierlichkeiten, wie die jährliche Verleihung des Friedensprei-ses des Deutschen Buchhandels im Rahmen der Frankfurter Buchmesse, stattfinden. Bei schönstem Sonnenwetter endete die Exkursion kurz nach 16.00Uhr. |