| Der Obergermanisch-Raetische Limes stellte vom Ende des 1. Jahrhunderts
bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts die Grenze des Römischen
Reiches zu den germanischen Stammesgebieten dar. Von Rheinbrohl
am Rhein bis Eining an der Donau führte er durch die heutigen
Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg
und Bayern. Zirka 120 größere und kleinere Kastelle dienten
der Bewachung der 550 km langen Grenzanlage. Sie sollte verhindern,
dass unkontrolliert Personen die Grenze passierten und Waren ein-
und ausgeführt wurden. Die Überreste der Grenzanlage bilden
heute das größte Bodendenkmal Europas.
Zur Römerzeit
Der Begriff "Limes" (Mehrzahl: Limites) bedeutete in der
Antike ursprünglich Weg, Besitzgrenze oder Schneise im Wald.
Er wurde erst später (zu Beginn des zweiten Jahrhunderts n.
Chr.) im Sinne einer Grenze zwischen römischem und nicht-römischem
Gebiet benutzt.

Römisches Reich im 2. Jh. n. Chr.
(Karte: J. Ost)
Limites gab es rund um das Römische Reich: in England, von
der Nordsee bis zum Schwarzen Meer, im Nahern Osten und in Nordafrika.

Der Obergermanisch-Raetische Limes - Verlauf ab ca. 160 n. Chr.
(Deutsche Limeskommission, Graphik: M. Horn)
In Deutschland trennte der Obergermanisch-Raetische Limes für
rund 160 Jahre die römischen Provinzen Obergermanien und Raetien
von den germanischen Stammesgebieten. Nach Auseinandersetzungen
mit den Germanen wurde die bisherige Grenze, die an den Flüssen
Rhein und Donau entlang lief, durch den Limes ersetzt. Mit dem Bau
der Limeslinie von Rheinbrohl am Rhein bis Eining nahe Regensburg
an der Donau bei Regensburg wurde am Ende des 1. Jahrhunderts n.
Chr. begonnen. Ab 160 n. Chr. hatte der Obergermanisch-Raetische
Limes nach verschiedenen Streckenänderungen im südlichen
Bereich seinen endgültigen Verlauf. 550 Kilometer zog er sich
durch die heutigen Bundesländer Rheinland-Pfalz (75 km), Hessen
(153 km), Baden-Württemberg (164 km) und Bayern (158 km).
Zirka 120 größere und kleinere Kastelle lagen in unmittelbarer
Näher des Limes, oft in der Nachbarschaft von Limesdurchgängen.
Die Einheiten, zwischen 100 und 1000 Mann stark, waren Hilfstruppen,
denen die Bewachung der Grenze oblag. Für größere
militärische Auseinandersetzungen waren die Legionen, die etwa
5500 Mann stark waren, zuständig. In Obergermanien waren sie
während der Limeszeit in Mainz und Straßburg, in Raetien
(ab zirka 180 n. Chr.) in Regensburg stationiert. Zur Sicherung
trugen auch die knapp 900 Wachtürme bei, die zwischen 400 und
800 Meter voneinander entfernt direkt am Limes lagen.
Während seines Bestehens veränderte der Limes mehrmals
sein Aussehen. Zunächst existierte ein Postenweg mit Wachtürmen
aus Holz. Dann wurde zusätzlich eine hölzerne Palisade
angelegt. Später ersetzte man die Holztürme durch Steintürme.
In der letzten Ausbauphase markierte die Grenze im raetischen Abschnitt
eine Mauer, im obergermanischen Abschnitt - nach neuesten Forschungen
- Wall und Graben (frühere Meinung: Palisade, Wall und Graben).
Der Limes war keine unüberwindliche militärische Sperranlage,
wie es zum Beispiel die deutsch-deutsche Grenze gewesen war. Er
stellte eine Grenzmarkierung dar und sollte verhindern, dass unkontrolliert
Personen die Grenze passierten und Waren ein- und ausgeführt
wurden.
Um 260 n. Chr. wurde der Limes aufgegeben, weil der Druck der Germanen
größer wurde und dazu noch Soldaten abgezogen werden
mussten, die bei Bürgerkriegen und Feldzügen im Osten
des Reiches benötigt wurden. Rhein und Donau wurden wieder
zur Grenze.
Von der Römerzeit bis heute
Die Limesanlagen verfielen, zum Teil wurden die Wälle eingeebnet
und die Steinbauten als Steinbruch genutzt. An verschiedenen Strecken
blieb der Wall relativ gut erhalten, weil der Limes auch im Mittelalter
und in der Neuzeit eine Grenzmarkierung darstellte. (Beispiel: Der
Limes nahe der Saalburg war zeitweise die Grenze zwischen dem Herzogtum
Nassau und der Landgrafschaft Hessen-Homburg. Heute ist er Gemarkungsgrenze
zwischen der Gemeinde Wehrheim und der Stadt Bad Homburg).
Seit dem 16. Jahrhundert fanden die Überreste des antiken
Bauwerks wieder Beachtung. Das Interesse verstärkte sich zu
Beginn des 19. Jahrhunderts. Damals gab es die ersten Anstrengungen,
das Denkmal zu schützen. Es wurden die ersten Beschreibungen
von Limesstrecken vorgenommen, Ausgrabungen durchgeführt und
die Funde inventarisiert.
Die erste systematische, länderübergreifende Untersuchung
des Limes fand von 1892 bis 1901 durch die Reichslimeskommission
statt. Diese war 1892 auf Initiative des späteren Nobelpreisträgers
für Literatur, Professor Theodor Mommsen, gegründet worden.
Die Ergebnisse wurden in den Jahren 1894 bis 1937 in dem 14bändigen
Werk "Der Obergermanisch-Raetische Limes des Roemerreichs"
(ORL) publiziert, das auch heute noch eine wichtige Grundlage für
die Limesforschung darstellt.
Seit der ersten Untersuchung sind große Bereiche des Limes
durch Bautätigkeit sowie Ackerbau und Forstwirtschaft zerstört
worden, zum Teil ohne vorher ausgegraben worden zu sein. So sind
dort auch die Informationen über das Denkmal verloren gegangen.
Erst in den letzen Jahren kann der Limes durch effektivere Denkmalschutzgesetze
besser geschützt werden.
Im Zuge der Vorbreitungen für den Antrag, den Limes in die
UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufzunehmen, hat es in den Jahren
1999 bis 2003 zum ersten Mal seit hundert Jahren wieder eine systematische
Bestandsaufnahme des gesamten Obergermanisch-Raetischen Limes gegeben.
Die Überreste der römischen Grenzanlage Limes bilden
heute das größte Bodendenkmal Europas. Sie liegen auf
den Gemarkungen von 150 Städten und Gemeinden in 20 Landkreisen.
Als einziges wieder aufgebautes Limeskastell vermittelt die Saalburg
in Bad Homburg nahe Frankfurt ein anschauliches und lebendiges Bild
von der Geschichte, Kultur und Lebensart in römischer Zeit.
Um die überregionale touristische Vermarktung des Obergermanisch-Raetischen
Limes kümmert sich der Verein Deutsche Limes-Straße.
In diesem Verein sind die Mehrzahl der Orte und Landkreise zusammengeschlossen,
durch die der Limes führt. Der Verein ist für die Touristikstraße
"Deutsche Limes-Straße" und den Radweg "Deutscher
Limes-Radweg" zuständig. Näheres siehe www.limesstrasse.de
Weitere Informationen siehe Homepage der Deutschen Limeskommission:
http://www.deutsche-limeskommission.de
Der Limes in Hessen
Von der 550 Kilometer langen Grenzanlage des Obergermanisch-Raetischen
Limes verlaufen 153 durch das Bundesland Hessen, von der Grenze
zu Rheinland-Pfalz bei Heidenrod bis zur bayerischen Landesgrenze
bei Mainhausen. Begleitet wird diese Linie von 18 großen Kastellen,
31 Kleinkastellen und 221 Wachturmstellen, deren Überreste
sich in unterschiedlicher Erhaltung im Gelände nachvollziehen
lassen.
Karte:
Limes in Hessen (PDF-Dokument, 460KB) ··»
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