| RÖMERKASTELL SAALBURG ARCHÄOLOGISCHER PARK | UNESCO-WELTERBE LIMES |
Zur Römerzeit war die Saalburg ein Kastell, das der Überwachung eines Limesabschnittes im Taunus diente. Der Limes bildete vom Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. für rund 150 Jahre die Grenze des Römischen Reiches zu den Stammesgebieten der Germanen.
Im Kastell waren rund 600 Mann, Fußsoldaten und Reiter, stationiert. Vor dem Haupttor der Wehrmauer lagen ein Badegebäude und ein Gästehaus. Ein Dorf mit Handwerker-, Händler- und Wirtshäusern schloss sich an. Gräber und kleinere Heiligtümer säumten die Römerstraße nach Nida, dem heutigen Frankfurt-Heddernheim. Bis zu 2000 Menschen dürften im Kastell und im Dorf gelebt haben.

Die Bauten verfielen, nachdem verstärkte Germaneneinfälle, Feldzüge im Osten des Reiches und innenpolitische Probleme die Aufgabe des Limes erzwangen. Die Überreste der 550 Kilometer langen Grenzanlage vom Rhein bis zur Donau bilden heute das größte Bodendenkmal Europas.
Nach ersten archäologischen Untersuchungen Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auf Initiative Kaiser Wilhelms II. das Kastell von 1897 bis 1907 als Forschungsinstitut und Freilichtmuseum mit einer umfangreichen Sammlung wieder aufgebaut.

Von 2003 bis 2009 erfolgte mit der Rekonstruktion weiterer Gebäude der Ausbau zum Archäologischen Park.
Im Jahr 2005 wurde der Limes, und damit auch die Saalburg, in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen
Ein anschauliches und lebendiges Bild von der römischen Lebensweise erschließt sich dem Besucher auf seinem Rundgang durch das Kastell und seine Umgebung. Innerhalb der Umwehrung mit Mauer, Wehrgang und vier Toren sind eine Reihe von Gebäuden aus Stein und Holz wieder aufgebaut worden.

Das Horreum, der Getreidespeicher, dient als Ausstellungsraum. Das Praetorium, das Wohnhaus des Kommandanten, beherbergt die Verwaltung des Museums und das Saalburg-Forschungsinstitut. Das zentrale Stabsgebäude, die Principia, beeindruckt durch seine große Halle und den stimmungsvollen Innenhof, um den sich Museumsräume gruppieren. Zur Römerzeit lagen hier die Amtsräume, Schreibstuben und Waffenkammern. Die Fabrica ist den Werkstattgebäuden römischer Militärlager nachempfunden. Sie wird für Ausstellungen, Veranstaltungen und Museumspädagogik genutzt. In den Centuriae, den Mannschaftsbaracken, waren die einfachen Soldaten untergebracht.

Archäologische Funde, rekonstruierte Bereiche, inszenierte Räume und Modelle erzählen vom Leben der Soldaten und der Bewohner des Dorfes vor den Toren des Kastells. Blickfänge sind das rekonstruierte Contubernium, die Mannschaftsstube, in der acht Soldaten auf engstem Raum gewohnt haben, und das reich ausgemalte und eingerichtete Triclinium, das Speisezimmer eines Offiziers.

Eindrucksvoll ist auch das Fahnenheiligtum, die Aedes, das kultische Zentrum des Kastells. In den rekonstruierten Backöfen nahe der Wehrmauer wird auch heute mehrmals im Jahr frisches Römerbrot gebacken.
Im Museumscafé Taberna geben Einrichtungsgegenstände nach antikem Vorbild wie Herd, Anrichte oder Regale einen Eindruck vom Aussehen einer römischen Gaststube. Der Besucher hat die Wahl zwischen Speisen und Getränken aus dem gewohnten gastronomischen Angebot und Spezialitäten aus der Küche der Römer.

Vor dem Haupttor des Kastells trifft der Besucher im Bereich des früheren Dorfes auf die konservierten Mauerreste des Badegebäudes, des Gästehauses sowie der Keller und Brunnen der Wohnhäuser. Diesen Häusern sind zwei Gebäude nachempfunden, die heute als Kasse und Museumsshop dienen.
Auf dem „Rundweg Saalburg“ erreicht man unweit des Kastells einen gut erhaltenen Abschnitt des Limes, der an der Stelle eines historischen Durchgangs rekonstruiert ist. Der Weg führt auch an weiteren Überresten, Kopien und Rekonstruktionen von archäologischen Denkmälern wie der Jupitersäule oder dem Mithrasheiligtum vorbei.

Zahlreiche archäologische Funde dokumentieren die unterschiedlichsten Bereiche des alltäglichen Lebens: Essen und Trinken, Bauen und Handwerk, Waffen und Ausrüstung, Kleidung und Schmuck, Medizin und Körperpflege, Geldwesen und Religion.

Neben Gegenständen aus Bronze, Eisen, Glas und Keramik stellen die seltenen Holz- und Lederfunde eine besondere Attraktion des Museums dar. Während organische Materialien in der Regel verrotten, haben sich diese Stücke auf der Saalburg besonders gut erhalten, weil sie im feuchten Grund der zahlreichen Brunnen konserviert wurden.
Abbildungen, Copyright
Kastellzeichnung: H. Wolf von Goddenthow; Luftbild: Foto Storch; Speisezimmer: I. Dittrich; Exponate: M. Romisch,Alle anderen: Römerkastell Saalburg