RÖMERKASTELL SAALBURG  ARCHÄOLOGISCHER PARK   UNESCO-WELTERBE LIMES 

 

Pressemitteilung

Römerkastell Saalburg, den 10. Januar 2017

Römerkastell Saalburg: das Jahr 2016 im Rückblick

Die Sonderausstellung „Von Pfeil und Bogen“ und die neue Dauerausstellung zur Urgeschichte stehen beispielhaft für ein buntes Jahresprogramm, das für alle Altersgruppen und Interessen ein abwechslungsreiches Programmangebot bereithielt. Das Römerkastell Saalburg schaut auf ein arbeitsintensives und erfolgreiches Jahr 2016 zurück. Die Besucherzahl lag mit etwa 124.000 Personen etwas höher als im Vorjahr. Die Entwicklung weiterer zielgruppengerechter und handlungsorientierter Angebote trägt dazu bei, dass die Besucher in großem Umfang Veranstaltungen mit persönlicher Betreuung wie Führungen und Aktivprogramme nachfragen.

Viel Neues und Interessantes gab es 2016 im Römerkastell Saalburg zu entdecken. In mehr als 2.800 Führungen, Aktiv- und Ferienprogrammen, Thementagen und Abendevents vermittelte das Team der Saalburg im Jahr 2016 wieder bewegende Eindrücke vom Leben der römischen Soldaten und der Zivilbevölkerung in einem Grenzkastell am Limes.

Besonders beliebt waren Veranstaltungen, die auf angenehme Weise kulinarische Genüsse und spannende Informationen zur Kultur der Römer verbanden. Während des Thementags „Culinaria – Antike Esskultur“ am Pfingstwochenende erlebten die Besucher römische Gastlichkeit und was man dazu alles wissen muss. Die I. Römercohorte Opladen hatte ihr Versorgungszelt aufgebaut, überall im Kastell waren Feuerstellen in Betrieb, die Öfen rauchten und es brodelte und brutzelte in den Töpfen und Pfannen. Die Besucher konnten erleben, wie man mit der römischen Reibschale Pasten zubereitete, im Lehmkuppelofen Brot backte oder über dem offenen Feuer sein Essen zubereitete. Aber auch der Klassiker unter den Culinaria, der „Römische Abend“, zog im letzten Jahr wieder viele Weinliebhaber, Feinschmecker und Wissensdurstige“ in das Museumscafé Taberna. Neugierige konnten dort auch am „Römischen Buffet“ zu verschiedenen Terminen römische Speisen probieren.

Anfang Mai schlugen die Soldaten der 4. Vindelikerkohorte und der Haustruppe der Saalburg, der 2. Raeterkohorte, ihr Marschlager im Kastell auf. Ein Wochenende lang drehte sich alles um das Leben der Soldaten am Limes. Die Besucher lernten die persönliche Ausrüstung der Soldaten kennen, konnten einen Blick in die Mannschaftszelte werfen und hautnah die Exerzier- und Kampfübungen verfolgen. Da blieb keine Frage nach dem Alltag der Truppe auf dem Saalburgpass unbeantwortet.
Am UNESCO-Welterbetag im Juni wurde die Zeit Kaiser Wilhelms II. auf der Saalburg wieder lebendig. Unsere Besucher erlebten interessante und unerwartete Begegnungen mit Herrschaften aus dieser Epoche, kulturell beflissenen Damen sowie Repräsentanten aus Gesellschaft, Kultur und Militär. Im Museum wurde mit dem Musaion ein Ausstellungsbereich gezeigt, der die Sammlung im Stil der Jahrhundertwende um 1900 präsentiert. Auch die damals sehr beliebte Kunst des Papiertheaters wurde den begeisterten Besuchern in mehreren Vorstellungen dargeboten und es wurde mit historischen Vorlagen gebastelt wie zu Kaisers Zeiten. Das Automuseum Central Garage in Bad Homburg stellte sogar mit dem Reisewagen der Marke Adler einen echten, fahrtüchtigen Oldtimer zur Verfügung. Mit einem solchen Automobil der Luxusklasse besuchte einstmals der Kaiser seine geliebte Saalburg. Im Museum wurde mit dem Musaion ein Ausstellungsbereich gezeigt, der die Sammlung im Stil der Jahrhundertwende um 1900 präsentiert. Die Darsteller des Museumstheaters aus dem Freilichtmuseum Hessenpark unterstützten mit ihren Verkörperungen authentischer Charaktere den Welterbetag tatkräftig. Die Kooperation mit den benachbarten Museen war für diese Veranstaltung eine ungeheure Bereicherung und lässt auf weitere gemeinsame Projekte hoffen.

Den Abschluss der Saison bildete der stimmungsvolle Familienabend „Martinus – Sankt Martin“, der wie in den vorherigen Jahren auch, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit der historischen Figur des römischen Reitersoldaten, der zum christlichen Heiligen wurde, vertraut machte.

Anfang Juli öffnete die Sonderausstellung „Von Pfeil und Bogen“ ihre Türen für die Besucher. Die Ausstellung gab einen umfassenden Überblick über die Entwicklung des Bogenbaus und präsentierte Nachbauten nahezu aller bekannten vor- und frühgeschichtlichen Bogenfunde. Rekonstruktionen römischer Reflexbögen und der Nachbau der Bogenbewaffnung des Keltenherrschers vom Glauberg waren zu sehen. Mit originalen Fundstücken von den Kastellen am Limes, erstklassigen Nachbauten, Informationen und Abbildungen wurde das Thema in einzigartiger Weise aufbereitet.
An dem begleitenden Thementag „Von Pfeil und Bogen“ bevölkerten Bogenschützen aus verschiedenen Zeiten das Kastell: Urgeschichtliche Jäger, römische Bogenschützen und englische Langbogenschützen präsentierten den Besuchern ihr Können. Einen besonderen Höhepunkt bildete das berittene Bogenschießen der „Independent European Horseback Archery School“. Die beeindruckende Kampfesweise ist von historischen Vorbildern der hunnischen Kriegstaktik inspiriert. Pettra Engeländer und ihr Team vollführte diese Kunst in meisterhafter Weise unter den staunenden Augen der beeindruckten Zuschauer.

Seit Dezember ist in der Fabrica eine Präsentation zum Thema „Kriminalarchäologie“ zu sehen, die von der Koordinierungsstelle Kulturgüterschutz beim Hessischen Landeskriminalamt (HLKA) und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz (RGZM) zusammengestellt wurde. Auf mehreren Säulen wird über illegale Schatzsuche, sogenannte Raubgrabungen, den illegalen Antikenhandel sowie über Verlust und Zerstörung von Kulturgut im In- und Ausland informiert.

Auch aus den Dauerausstellungen des Saalburgmuseums gibt es 2016 Neuigkeiten zu berichten: Im Februar eröffnete die neue Dauerausstellung zur Ur- und Frühgeschichte rund um den Saalburgpass.
In den Ausstellungsvitrinen sind steinzeitliche Funde aus der Umgebung und von der Saalburg, der spektakuläre Hortfund vom Ferdinandsplatz in Bad Homburg aus der Bronzezeit und die keltischen Funde der Eisenzeit aus Wehrheim zu sehen. Vom Zusammenleben und der gegenseitigen Beeinflussung von Römern und Germanen erzählen die Funde ungewöhnliche Gegenstände aus dem Limeskastell Zugmantel bei Taunusstein. Die Zeit nach Abzug der Römer aus dem Taunus wird mit dem Depot eiserner Werkzeuge vom Herzberg aus dem frühen 5. Jahrhundert und den Beigaben aus den Gräbern in Bad Homburg-Gonzenheim lebendig, die aus der Zeit des Herrschergeschlechts der Merowinger stammen. Die neue Dauerausstellung ermöglicht einen spannenden Überblick über den Verlauf der Geschichte von den ersten Zeugnissen menschlicher Aktivität im Taunus bis zum Anbruch einer neuen Epoche im frühen Mittelalter.
Neben der Möglichkeit zusätzliche inhaltliche Schwerpunkte zu setzen, bietet die Gestaltung der Ausstellung auch völlig neue Zugänge zu den Ausstellungsstücken. Dabei sind die Objekte zum Anfassen hervorzuheben, die den Besuchern durch den physischen Kontakt ein unmittelbares Gefühl für die Beschaffenheit urgeschichtlicher Gegenstände und die verwendeten Materialien vermitteln. Sie ermöglichen eine genauere Betrachtung als das Original und bietet nicht zuletzt Menschen mit Sehbehinderung die Gelegenheit einer direkten haptischen Annäherung an die Exponate. Der neue Ausstellungsbereich ermöglicht in Zukunft eine Ausweitung des museumspädagogischen Vermittlungsprogramms der Saalburg und bietet den Besuchern neue Dimensionen in der Betrachtung und Erfahrung archäologischer Funde.

Am Ende des Jahres konnte die Saalburg noch mit Band 59 das neue Saalburg-Jahrbuch präsentieren, in dem weitere Sammlungsbestände wie etwa die römischen Glasgefäße des Museums in wissenschaftlicher Bearbeitung vorgestellt werden.
„Die Erforschung, Publikation und museale Präsentation der außerordentlich reichen und vielfältigen Funde aus der 120 jährigen Museumsgeschichte der Saalburg wird Aufgabe der Wissenschaft und der Museumsgestalter in den nächsten Jahren sein“ kommentiert Saalburgdirektor Dr. Carsten Amrhein die Vorlage des neuen Jahrbuchs.

 


Rückfragen bei
Dr. Carsten Amrhein
TEL 06175/9374-23, FAX 06175/9374-11
amrhein.c@saalburgmuseum.de

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