| Römerkastell Saalburg, den 21. Oktober 2010
Neue Publikation zum Vicus des Römerkastells Saalburg Hundertfünfzig Jahre nach Beginn der ersten Ausgrabungen präsentiert das Römerkastell Saalburg in Bad Homburg erstmals eine umfassende Publikation zum Vicus, dem Dorf vor den Toren des Kastells. Die Dissertation von Dr. Cecilia Moneta, Mainz („Der Vicus des römischen Kastells Saalburg“) beschäftigt sich mit einem Bereich, der sowohl von der Wissenschaft als auch von den Besuchern bisher nicht so wahrgenommen wurde. Bedingt durch den Wiederaufbau stand eher das Kastell im Mittelpunkt des Interesses. Die Forschungsergebnisse lassen einen Einblick in die Situation in dieser zivilen Siedlung vor bald 2000 Jahren zu. Es gibt unter anderem Informationen zur Geschichte und Entwicklung, zu den Häusern der Bewohner und zu den öffentlichen Gebäuden. Themen sind auch die Wasserversorgung, Handel und Gewerbe und die Bevölkerung. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die Vermittlung im Museum und sind wertvoll für die Forschungen von Wissenschaftlern in anderen Siedlungen aus römischer Zeit. Gab es bisher nur kleinere Berichte und Funduntersuchungen, so sind zum ersten Mal alle zur Verfügung stehenden Quellen aus der Zeit der Ausgrabungen ausgewertet worden, so dass jetzt ein Gesamtbild gezeichnet werden kann. So konnten zum Beispiel unterschiedliche Wohnviertel erkannt werden, die sich in der Größe der Häuser, der Aufteilung der Räume und der Ausstattung unterschieden, was auf eine soziale Differenzierung schließen lässt. An Hand der gefundenen Parzellen der Wohnhäuser kann die Einwohnerzahl auf tausend bis fünfzehnhundert geschätzt werden. Auch Irrtümer in früheren Publikationen wurden aufgeklärt. So stellten sich zum Beispiel bisher als Gräber erkannte Strukturen als Pfostenlöcher eines Gebäudes heraus. Wenn auch die Ausgrabungen mit den damals modernsten Methoden vorgenommen und dokumentiert wurden, so genügen sie den heutigen Ansprüchen nicht, was die Interpretation erschwerte. „Trotz dieser Schwierigkeiten hat die Auswertung beachtliche Ergebnisse erbracht, “ stellt Moneta fest, „zumal der Vicus der Saalburg einen der am umfangreichsten ausgegrabenen Kastellvici am Obergermanisch-Raetischen Limes darstellt.“ Saalburgdirektor und Landesarchäologe Prof. Dr. Egon Schallmayer
würdigt die Dissertation, die von der Universität zu Köln
mit „summa cum laude“ bewertet worden ist, in ihrer Bedeutung
für das Römerkastell Saalburg. Endlich gebe es eine Gesamtschau
des Vicus, eine sichere Grundlage, auf der man aufbauen könne. Die
Ergebnisse flössen in die Vermittlungsarbeit des Museums ein und
dienten auch anderen Wissenschaftlern als wertvolle Quelle für ihre
Forschungen. Dass dieses Buch auch über den wissenschaftlichen Bereich
hinaus Bedeutung für die Region hat, zeige die Verleihung des Förderpreises
zum Saalburgpreis für Geschichts- und Heimatpflege des Hochtaunuskreises
an Cecilia Moneta. „Eine besondere Bedeutung hat es für mich,
dass die Saalburg über die Betreuung der Doktorandin hinaus auch
erhebliche finanzielle Mittel im Zusammenhang mit der Arbeit aufgebracht
hat. Dies entspricht meinem Verständnis, dass Einnahmen, die in anderen
Bereichen wie zum Beispiel dem Führungs- und Veranstaltungswesen
erwirtschaftet werden, auch für die Finanzierung wissenschaftlicher
Arbeit eingesetzt werden.“ Er dankte auch dem Förderverein
Saalburg, der ein Doktorandenstipendium gewährt habe. Besonders freue
ihn, dass die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Saalburg schon
bald eine Fortsetzung fände: Vertrieben wird das Buch durch den renommierten Verlag Philipp von Zabern. Geschäftsführer Dr. Jürgen Kron sieht in dem Band einen wichtigen Beitrag zum Verständnis des römischen Lebens in den Provinzen. Der detailreiche und hervorragend recherchierte Text zeige darüber hinaus nach Überzeugung des Verlags die Bedeutung der Saalburg für die deutsche Archäologie. Damit auch die Besucher Neues vom Vicus erfahren können, lädt das Römerkastell Saalburg am Samstag, dem 30. Oktober 2010, um 14.00 Uhr zu einer Führung mit der Autorin ein. Sie wird den Teilnehmern an Ort und Stelle die Ergebnisse vor Augen führen. Die Führung ist kostenlos. Es gelten die üblichen Eintritte ins Kastell.
684 Seiten mit 186 Abbildungen, 89 Tafeln und 38 Beilagen © 2010 by Verlag Philipp von Zabern, ISBN 978-3-8053-4275-9 Redaktion: Elke Löhnig M.A., Römerkastell Saalburg
Dr. Cecilia Moneta
Rückfragen bei Ursula Heimes (Öffentlichkeitsarbeit) RÖMERKASTELL SAALBURG ARCHÄOLOGISCHER PARK |
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