| Hintergrundinformationen zu den Ausstellungsmachern, ihrem Projekt „GENERATIONES“ und ihren Intentionen zusammengestellt von der Legio 8 Augusta
Im Jahr 1984 entstanden die ersten Nachbauten von römischen Waffen und Ausrüstungsteilen, die sich an Originalfunden orientierten. Sehr bald erkannten die späteren Gründer der Gruppe, dass die Präsentation dieser Nachbauten an Schulen eine Ergänzung zum Geschichtsunterricht sein kann. Der Begriff „Geschichte zum Begreifen“ war geboren. Die VEX.LEG.VIII.AVG - ein Kürzel für die antike Bezeichnung vexillatio legionis octavae augustae, d.h. eine mit Sonderaufgaben abkommandierte Teileinheit der 8. Legion, welche den Beinamen augusta (die Erhabene) führt – wurde als Interessengemeinschaft im Sommer 1991 gegründet. Durch den engen Kontakt zu Museen, der notwendig ist um sich bei den Nachbauten so nahe wie möglich am Original zu orientieren, war bald ein weiteres Betätigungsfeld aufgetan. In fast idealer Weise kann hier - in direktem Bezug zu den ausgestellten Exponaten – der Nachbau dazu beitragen, den Sinn und Zweck teils nur fragmentarisch erhaltener Originale einem breiten Publikum zu verdeutlichen. Für diesen Einsatz in der Vermittlung von Archäologie und Geschichte wurde der Gruppe im Jahr 2004 der Archäologiepreis des Landes Baden-Württemberg verliehen. Die Mitglieder der Gruppe kommen aus den verschiedensten Berufen. Die Bandbreite reicht vom Studierenden über Handwerker, Computerprofis, Grafiker bis zum Archäologen. Vielleicht liegt gerade in dieser Vielseitigkeit die Qualität und Schlagkraft der VEX.LEG.VIII.AVG. Seit 2001 hat die VEX.LEG.VIII.AVG eigene erfolgreiche Ausstellungen konzipiert, erstellt und präsentiert (z.B. EINBLICKE in Aalen und Rottenburg am Neckar). Bei weiteren Ausstellungen, u.a. bei der Landesausstellung Baden-Württemberg Imperium Romanum, waren Exponate von und Begleitfilme mit der Gruppe integriert. In Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Museum der Stadt Frankfurt entstand eine Ausstellung im Nordwestzentrum Frankfurt. Gemeinsam mit dem Archäologischen Museum in Freiburg wurde die Wanderausstellung „Legion in Aktion“ geschaffen. Die Gruppe hat sich für ihre Präsentationen den Zeitraum um das Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus ausgewählt. In diese Zeit fällt u.a. die römische Wiederbesetzung Südwestdeutschlands – vor allem aber handelt es sich um eine durch Funde und Abbildungen vorzüglich dokumentierte Phase für die Ausrüstungsentwicklung der römischen Armee. Schwierig gestaltete sich die Definition der Arbeit der Interessengemeinschaft. Basis der Arbeit ist die Recherche, der Nachbau und die didaktische Aufbereitung zur Präsentation - nicht nur – der römischen Militärausrüstung. Der Gruppe geht es nicht darum, römisches Leben nachzuspielen. Vielmehr sollen die Nachbauten in ihrer Funktionsweise präsentiert werden, damit das Interesse und Verständnis für das Originalexponat und den Kontext, in dem es ursprünglich verhaftet war, geweckt wird.
Eine Art Initialzündung für die Entwicklung einer Römerszene in Deutschland gab Dr. Marcus Junkelmann mit seinem Alpenmarsch im Jahre 1985. Es gab schon vorher ein paar Enthusiasten, die sich für das römische Militär interessierten und begannen, sich Ausrüstungsteile selbst anzufertigen, bzw. sich solche von bereits länger existierenden Gruppen aus Großbritannien zu beschaffen. Mit Junkelmann kam das wissenschaftliche Arbeiten in die deutsche Szene. Nach einer anfangs eher zögerlichen Annäherung der Museen zu den wenigen „Römergruppen“ hat sich hier im Laufe der Jahre einiges verändert. Leider nicht nur zum Guten! Eine inflationär gestiegene Anzahl von Veranstaltungen und eine ebenso massive Vermehrung an Gruppierungen führte dazu, dass das ursprüngliche Anliegen, nämlich die Vermittlung von Wissen gelitten hat. Für einen Einsteiger aus der Anfangsphase war es notwendig, sich selbst mit dem Nachbau der Ausrüstungsteile zu beschäftigen. Zum einen gab es keine bzw. nur wenige Lieferanten – zum anderen waren gute Ausrüstungsstücke fast unerschwinglich. Nicht alle Stücke aus diesen Produktionen waren gut – aber die Erfahrung, vor allem die Recherche trugen dazu bei, sich selbst immer mehr Wissen anzueignen. Inzwischen kann man nahezu alles kaufen – und das für wenig Geld. Produzenten aus Indien und Pakistan überschwemmen einen Markt für geschichtsbegeisterte Leute, Reenactors, Rollenspieler, Kostümträger und Museen. Nicht alle Ausrüstungsteile aus dieser Quelle sind schlecht! Einiges ist, zumindest nach Überarbeitung, für ausgewählte Einsatzzwecke ganz gut geeignet. Aber wer soll bei dieser unüberschaubaren Menge noch eine Qualitätskontrolle durchführen?!
Ansätze für eine Differenzierung bei der römischen Bewaffnung und Ausrüstung gibt es natürlich schon länger. Es gibt Gruppen, die sich der Spätantike widmen genau so wie Vertreter der republikanischen römischen Armee. Ein regelmäßig stattfindendes Treffen mit Vorträgen und Informationsaustausch zwischen Archäologen und Gruppen - die ROMEC (Roman Military Equipment Conference) - entstand aus dem Mangel an „nachbaubaren“ Informationen zu den Originalfundstücken. Darstellungen in Filmen, im Fernsehen, in Zeitschriften und andere Massenmedien, aber auch in Museen und Büchern verbreiten ein Bild der römischen Armee, welches einen stereotypen „Legionär“ präsentiert. Filme- und Ausstellungsmacher, Grafiker und Verleger haben natürlich das Problem, einen kompetenten Ansprechpartner zu finden, der zum einen sagen kann, wie das Material auszusehen hat – vor allem aber solches Material produzieren kann! Schon frühzeitig ist die VEX.LEG.VIII.AVG konstruktiv an die Problematik der Datierung herangegangen. Bei Veranstaltungen wurde versucht, die Präsentationen in möglichst zeitlich zusammengehörigem Kontext auszustatten. Als Beispiel seien Veranstaltungen genannt, bei denen sich diese Problematik im Detail zeigte. In Kalkriese, dem Ort der Varusschlacht, präsentiert sich die VEX.LEG.VIII.AVG im Prinzip mit einer „Sciencefiction“-Ausstattung – in Aalen (innerhalb eines Reiterkastells vom vorderen Limes, also frühestens Mitte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts an dieser Stelle gebaut) haben wir dagegen die Ausrüstung der Großväter angelegt … Das Projekt GENERATIONES ist darauf ausgelegt, einen Fundus an Bewaffnung und Ausrüstung anzuschaffen, der es der Gruppe ermöglicht, an verschiedenen Orten in zeitlich passender Optik zu agieren. Dies geschieht nach wie vor durch die Auftragsvergabe für hochwertige Nachbauten bei den qualitativ hochwertigen Herstellern, und vor allem in Eigenleistung. Bei einem gewählten Raster von 25 Jahren für eine Generation an römischen Soldaten (bezogen auf eine mehr oder minder passende Dienstzeit in der römischen Berufsarmee) ergibt das eine ganze Menge an kompletten Ausrüstungen. Dadurch ist es möglich, für Ausstellungen und Publikationen Fotos anzufertigen, die einen realistischen Eindruck für die jeweilige Zeitstellung zulassen. Dies bieten wir Verlagen, Grafikern und Museen an. Eine erste Präsentation des Projekts GENERATIONES fand mit der Homepage www.generationes.de statt. Für die Präsentation bei Veranstaltungen können örtlich passende Schwerpunkte gewählt werden. Eine Publikation ist in Vorbereitung.
Alexander Zimmermann
Das Projekt „GENERATIONES“
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